Das Wichtigste in Kürze:
- Wissenschaftliche Nachweise zur Wirksamkeit von Kürbiskernkapseln als Nahrungsergänzungsmittel sind bislang unzureichend. Es bedarf weiterer Studien, um genaue Wirkmechanismen sowie die Effektivität bei Blasenschwäche zu klären.
- Wer Beschwerden durch häufiges Wasserlassen hat, sollte diese ärztlich abklären lassen.
- Wer trotzdem versuchen will, die Blase zu stärken, kann das mit dem täglichen Verzehr von zwei bis drei Esslöffeln Kürbiskerne über mehrere Monate probieren.
Was steckt hinter der Werbung zu Kürbiskernkapseln?
Kürbiskerne und auch -extrakte werden in der Naturheilkunde zur Behandlung von Blasenschwäche und auch Prostatabeschwerden empfohlen. Verschiedene Kürbiskernprodukte werden daher auch als Nahrungsergänzungsmittel zur Gesunderhaltung oder Stärkung der Blase angeboten. Einige Produkte werben mit wohlklingenden Namen wie "Gesunde Blase" oder Angaben wie: "Unterstützt den normalen Harnfluss". Eine Doppelblind-Studie hat 2014 zwar ergeben, dass ein bestimmter Kürbiskernextrakt (gemäß Arzneimonografie) die Blasenfunktion verbessern und die Symptome einer überaktiven Blase lindern kann. Allerdings wurde in dieser Studie nicht nur Kürbiskern-Extrakt untersucht, sondern eine Kombination mit Soja-Keimling-Extrakt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Forschung in diesem Bereich noch nicht umfassend ist. Zudem basieren viele Aussagen nicht auf soliden wissenschaftlichen Studien, sondern auf weniger relevanten Untersuchungen. Einige Hersteller verweisen bei ihren Produktbeschreibungen auf die traditionelle Anwendung von Kürbiskernen. Allerdings sind diese speziellen Arznei-Extrakte (wegen ihrer pharmakologischen Wirkung) nicht zur Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln bestimmt.
Kürbiskernkapseln sollen Beschwerden wie schmerzhaftes Wasserlassen, nächtlichen Harndrang, verlangsamte Blasenentleerung oder Restharnbildung lindern. Dies sind unter anderem die Symptome einer Reizblase, die auch als nervöse oder überaktive Blase bezeichnet wird.
Traditionelle Arzneimittel mit Kürbiskernextrakten stammen aus Samen eines meist speziell gezüchteten Speisekürbis aus Österreich, Ungarn oder Slowenien. Eine Registrierung erfolgte ausschließlich aufgrund langjähriger Anwendung und Erfahrung und somit lässt sich eine gewisse Wirksamkeit annehmen. Auch wenn im Vergleich eines ganz bestimmten pflanzlichen Arzneimittels mit definiertem Extrakt zur Placebo-Gruppe bessere Ergebnisse erzielt wurden, ist die Wirksamkeit im Arzneimittelsinn wissenschaftlich noch nicht ausreichend belegt. Damit bleibt eine zuverlässige Wirkung von Kürbiskern-Produkten zur Behandlung von Blasenschwäche aus medizinischer Sicht fraglich.
Für Nahrungsergänzungsmittel besteht keine Zulassungspflicht und sofern sie Kennzeichnungsvorschriften erfüllen, dürfen sie ohne behördliche Prüfung auf dem Markt angeboten werden. Aufgrund unterschiedlicher Kürbiskern-Rohstoffe und Herstellungsverfahren können sich Produkte in ihrer Zusammensetzung erheblich unterscheiden, sowie sich Studienergebnisse konkreter pflanzlicher Arzneimittel nicht unmittelbar auf ein Nahrungsergänzungsmittel übertragen lassen.
Auf was sollte ich bei der Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln mit Kürbiskernextrakt achten?
Nahrungsergänzungsmittel mit Kürbiskernextrakten enthalten diese meist in Form von Kürbiskernpulver oder -öl sowie Samenextrakten. Es werden aber auch Konzentrate aus dem Fruchtfleisch verwendet. Zur Kürbissorte und Herkunft der Samen fehlen meist Angaben.
Vorsicht ist geboten, wenn Sie auf Kürbis oder kürbisähnliche Pflanzen, wie beispielsweise Wassermelone oder Zucchini, reagieren.
Auf der Verpackung genannte Verzehrempfehlungen sollten Sie nicht überschreiten, besonders wenn zusätzliche Vitamine oder Mineralstoffe (z.B. Selen) enthalten sind. Werden weitere Nahrungsergänzungsmittel mit diesen Nährstoffen kombiniert aufgenommen, kann es unter Umständen zu hohen, gesundheitlich bedenklichen Zufuhrmengen kommen. Die parallele Aufnahme weiterer Nahrungsergänzungsmittel, sollten sicherheitshalber zuvor ärztlich oder in der Apotheke abgeklärt werden. Das gilt vor allem dann, wenn Sie regelmäßig Medikamente nehmen.
Bei Blasenproblemen (insbesondere, wenn sie akut auftreten) sollten Sie in jedem Fall ärztlichen Rat einholen.
Welche Inhaltsstoffe sind in Kürbiskernkapseln enthalten?
In der traditionellen Pflanzenheilkunde (sowie in Arzneimitteln) werden die reifen, getrockneten Samen (Cucurbitae semen) vom Kürbis oder das daraus gewonnene Öl verwendet, insbesondere die Samen von speziellen Züchtungen (Cucurbita pepo L.). Bei Arzneimitteln ist der genaue Extrakt angegeben.
In Nahrungsergänzungsmitteln sollen vor allem sekundäre Pflanzenstoffe(sogenannte Phytosterine) aus den Kürbiskernen wie Lignane, Vitamin E (α-Tocopherol) oder auch die Linolsäure aus dem Öl auf die Blasenmuskeln einwirken und sie kräftigen. Somit soll der Harnfluss erleichtert und die Beschwerden einer Reizblase gelindert werden. Auch die in Kürbiskernen enthaltenen pflanzlichen Sterine wie Beta-Sitosterol sollen zur Stärkung des urologischen Stoffwechsels beitragen. Darüber hinaus enthalten Kürbiskerne Antioxidantien, wie Beta-Carotin, sowie Magnesium, Eisen, Zink und Selen. Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe variiert allerdings je nach Kürbisart und Anbaugebiet. Aussagen zur Wirkung, wie "schützt die Zellen der Blase vor oxidativem Stress", beziehen sich häufig auf zugesetzte Vitamine oder Mineralstoffe, weniger oder gar nicht auf den Kürbisextrakt.
In Nahrungsergänzungsmitteln für die Blase sind entweder ausschließlich Kürbiskernextrakte oder in Kombination mit anderen Pflanzenzutaten enthalten. Beispielsweise aus der Cranberry, Hibiskus oder der Sägepalme (Sabal, Saw Palmetto). Vielfach werden Kombinationen mit Vitamin C oder Spurenelementen wie Selen angeboten.
Unser Tipp:
Wenn Sie versuchen wollen, Ihre Blase ohne spezielle Produkte zu stärken, probieren Sie es mit täglich zwei bis drei Esslöffeln Kürbiskerne. Geröstet oder roh, als Salatgarnitur oder im Müsli, das bleibt Ihnen überlassen.
Wirksame Hilfen bei Blasenproblemen können unter Umständen ein regelmäßiges Beckenboden- oder Blasentraining sein. Häufig lassen sich Beschwerden unterschiedlicher Ausprägung gut behandeln. Lassen Sie sich zu Therapieoptionen und Behandlungsmöglichkeiten ärztlich gut beraten.
Quellen:
European Medicines Agency (2013): Final Community herbal monograph on Curcubita pep L., semen. EMA/HMPC/136024/2010. Stand: 25.03.2013
(zuletzt abgerufen am 25.03.2025)
European Medicines Agency (2021): Addendum to Assessment report on Cucurbita pepo L., semen. EMA/HMPC/367273/2021. Stand: 24.112021, veröffentlicht 16.03.2022 (zuletzt abgerufen am 25.03.2025)
Nishimura M et al (2014): Pumpkin Seed Oil Extracted From Cucurbita maxima Improves Urinary Disorder in Human Overactive Bladder. J Tradit Complement Med 4 (1): 72-4
Kerschner B (2017): Reizblase: Kürbiskerne gegen Harndrang? Medizin transparent, Stand: 23.02.2017 (zuletzt abgerufen am 25.03.2025)
Stiftung Warentest: Medikamente im Test - Pflanzliches Mittel Kürbissamen. Stand: 30.05.2023 (zuletzt abgerufen am 25.03.2025)
Shim B et al. (2014): A randomized double-blind placebo-controlled clinical trial of a product containing pumpkin seed extract and soy germ extract to improve overactive bladder-related voiding dysfunction and quality of life. Journal of Functional Foods 8: 111-117
Salehi B et al (2019): Cucurbits Plants: A Key Emphasis to Its Pharmacological Potential. Molecules 24 (10): 1854f
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